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Bayerisches Staatsministerium für

Gesundheit und Pflege

 

 

 

 

München, 06.03.2020

 

 

Allgemeinverfügung des StMGP zum Besuch von Schulen, Kindertagesein- richtungen, Kindertagespflegestellen und Heilpädagogischen Tagesstätten

 

 

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 hat sich in kurzer Zeit weltweit ver- breitet. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile eine Reihe von Fällen, meist in Verbindung mit Reisen in Risikogebiete. Die Erkrankung COVID-19 verläuft in den meisten Fällen als grippaler Infekt und ist von einem Schnupfen oder einer echten Grippe (Influenza) klinisch nicht zu unter- scheiden.

 

Auf Grund der Zuständigkeit für bayernweit anzuordnende Maßnahmen des Infektionsschutzes nach § 54 Infektionsschutzgesetz (IfSG) in Verbindung mit § 65 der Zuständigkeitsverordnung (ZustV) und Art. 3 Abs. 1 Nr. 1 Ge- sundheitsdienst- und Verbraucherschutzgesetz (GDVG)) sowie § 28 Abs. 1 Satz 1 IfSG ergeht im Einvernehmen mit dem Bayerischen Staatsministe- rium für Unterricht und Kultus und dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales folgende

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Dienstgebäude München

Haidenauplatz 1, 81667 München

Telefon 089 540233-0

 

Öffentliche Verkehrsmittel S-Bahn: Ostbahnhof

Tram 19: Haidenauplatz


Dienstgebäude Nürnberg

Gewerbemuseumsplatz 2, 90403 Nürnberg

 

Telefon 0911 21542-0

 

 

Öffentliche Verkehrsmittel

2, U3: Haltestelle Wöhrder Wiese Tram 8: Marientor


E-Mail: 
poststelle@stmgp.bayern.de

 Internetwww.stmgp.bayern.de


 

 

Allgemeinverfügung

 

 

1.      Schülerinnen und Schüler sowie Kinder bis zur Einschulung, die sich innerhalb der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet entsprechend der aktuellen Festlegung durch das Robert Koch-Institut (RKI) aufge- halten haben, dürfen für einen Zeitraum von 14 Tagen seit Rückkehr aus dem Risikogebiet keine Schule, Kindertageseinrichtung, Kinder- tagespflegestelle oder Heilpädagogische Tagesstätte betreten. Aus- reichend ist, dass die Festlegung des Gebietes als Risikogebiet durch das RKI innerhalb der 14-Tages-Frist erfolgt.

Die Risikogebiete sind unter https://www.rki.de/DE/Content/In-fAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogebiete.html tagesaktuell ab- rufbar.

Schülerinnen und Schüler sowie Kinder bis zur Einschulung haben sich in einem Risikogebiet aufgehalten, wenn sie dort kumulativ min- destens 15-minütigen Kontakt zu einer anderen Person als den Mit- reisenden im Abstand von weniger als 75 cm hatten.

 

2.        Die Personensorgeberechtigten haben für die Erfüllung der in Ziffer 1 genannten Verpflichtung zu sorgen. Sie sind unter Berücksichti- gung der Voraussetzungen in Ziffer 1 verpflichtet, keine Betreuungs- angebote von Kindertageseinrichtung, Kindertagespflegestelle oder Heilpädagogischer Tagesstätte in Anspruch zunehmen.

 

3.        Erhält der Träger bzw. das beauftragte Personal einer Schule, Kin- dertageseinrichtung oder Heilpädagogischen Tagesstätte oder eine Tagespflegeperson Kenntnis davon, dass die Voraussetzung nach Ziffer 1 vorliegt, dürfen die betreffenden Schülerinnen und Schüler sowie die Kinder nicht betreut werden.

 

4.        Die Anordnung tritt in Kraft mit Wirkung ab 07.03.2020.

 

 

5.        Auf die Bußgeldvorschrift des § 73 Abs. 1a Nr. 6 IfSG wird hingewie- sen.


 

 

 

Begründung

 

 

Zu Ziffer 1:

Nach den bisherigen Erkenntnissen erkranken Kinder nicht schwer an CO- VID-19. Sie können aber ebenso wie Erwachsene, ohne Symptome zu zei- gen, Überträger des Coronavirus SARS-CoV-2 sein.

 

Kinder und Jugendliche sind besonders schutzbedürftig. Dabei ist die Über- tragungsgefahr bei Kindern besonders hoch, weil kindliches Spiel in den frühkindlichen Einrichtungen regelmäßig einen spontanen engen körperli- chen Kontakt der Kinder untereinander mit sich bringt.

Das Einhalten disziplinierter Hygieneetiketten ist zudem abhängig vom Alter und der Möglichkeit zur Übernahme von (Eigen-)Verantwortung und bedarf daher bei Kindern noch einer entwicklungsangemessenen Unterstützung durch Erwachsene. Diese Unterstützung kann in den Einrichtungen mit ei- ner Vielzahl an betreuten Kindern seitens der Aufsichtspersonen nicht im- mer ununterbrochen sichergestellt werden. Vielmehr sehen die Räume in den Einrichtungen in aller Regel Rückzugsmöglichkeiten vor. Daher kann schon räumlich eine lückenlose Überwachung nicht immer gewährleistet werden. Damit steigt die Gefahr, dass sich Infektionen innerhalb der Ein- richtung verbreiten und diese nach Hause in die Familien getragen werden.

 

Aus diesen Gründen ist nach Abwägung aller Umstände eine allgemeingül- tige Anordnung erforderlich, um die Verbreitung der Infektion im Bereich der Schulen und der Kinderbetreuung zu unterbinden. Diese Anordnung betrifft die Kindertagespflege auch dann, wenn nur ein Kind betreut wird.

Denn auch dann ist eine Übertragung auf weitere Kinder nicht ausgeschlos- sen.

 

Risikogebiete sind Gebiete, in denen eine fortgesetzte Übertragung von Mensch zu Mensch vermutet werden kann. Um dies festzulegen, verwen- det das RKI verschiedene Indikatoren (u.a. Erkrankungshäufigkeit, Dyna-


 

mik der Fallzahlen). In den durch das RKI festgestellten Risikogebieten be- steht eine allgemein wesentlich erhöhte Infektionsgefahr, sodass Personen, die sich dort aufhielten, als ansteckungsverdächtig anzusehen sind.

Es ist darauf abzustellen, dass das Gebiet aktuell als Risikogebiet einge- stuft wird. Es kommt nicht darauf an, dass diese Einschätzung bereits zum Zeitpunkt des Aufenthalts im Sinne der Ziffer 1 in dem Gebiet vom RKI fest- gestellt wurde.

 

Der Ansteckungsverdacht besteht, wenn die Person dort mindestens einen 15-minütigen Kontakt zu einer anderen Person im Abstand von weniger als 75 cm hatte. Dieses Kriterium grenzt deshalb den Aufenthalt von der blo- ßen Durchreise ab.

 

Kein Aufenthalt im Sinne der Ziffer 1 dieser Verfügung wird in der Regel bei einem bloßen Toilettengang, einem Tankvorgang oder einer üblichen Kaf- feepause gegeben sein.

 

Zu Ziffer 2:

Entsprechend Ziffer 1 dürfen die Personensorgeberechtigten die betreffen- den Kinder nicht in die Einrichtungen bringen und das Recht auf Betreuung gegenüber dem Träger oder der Tagespflegeperson geltend machen. Der Rechtsanspruch auf Betreuung nach § 24 SGB VIII ist insoweit einge- schränkt.

 

Zu Ziffer 3:

Es ist ausdrücklich keine Aufgabe der Träger bzw. des eingesetzten Perso- nals bzw. der Tagespflegeperson, gezielt durch Nachfragen zu erforschen, ob Kinder sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben. Nur dann, wenn eine positive Kenntnis darüber besteht, dürfen diese Schülerinnen und Schüler sowie Kinder nicht mehr betreut werden.


 

Zu Ziffer 4:

Die Anordnung tritt am auf die Bekanntgabe folgenden Tag in Kraft. Sie ist nicht befristet. Bei entsprechender erneuter Risikoeinschätzung wird die All- gemeinverfügung aufgehoben.

 

Die Anordnung ist gemäß § 28 Abs. 3 i.V.m. § 16 Abs. 8 IfSG sofort voll- ziehbar.

 

Zu Ziffer 5:

Die Bußgeldbewehrung der Maßnahme folgt aus § 73 Abs. 1a Nr. 6 IfSG. Die Anordnung stellt eine Maßnahme nach § 28 Abs. 1 Satz 1 IfSG dar.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 gez.

 Ruth Nowak

 Ministerialdirektorin 

 

 


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